Wie sieht der optimale BCS aus?

Leistungsfähigkeit: CARLINGHOUSE & BURRILL (1998) und GARLINGHOUSE et al. (1999) untersuchten im Rahmen zweier "Tevis Cup"-Ausdauerrennen den Einfluss der Body Condition auf die Ausdauerleistung von Pferden. Sie stellten einen signifikanten Zusammenhang fest.
Die Body Condition Scores der teilnehmenden Pferde lagen nach dem System von HENNEKE et al. (1983) zwischen 1,5 und 5,5. Pferde, die das Rennen erfolgreich beenden konnten, hatten mit durchschnittlich 4,5 deutlich höhere Body Condition Scores als Tiere, die wegen metabolischer Beschwerden, nämlich Zwerchfellflattern, herabgesetzte Darmperistaltik, Dehydration, Überhitzung, Belastungsmyopathie und Tying-Up disqualifiziert wurden und Body Condition Scores von durchschnittlich 3,5 aufwiesen.
Die höchste Erfolgsquote hatten Pferde mit Body Condition Scores von 5,0 und 5,5.
Pferde in guter Body Condition konnten die 160 km leichter zurücklegen als dünne Pferde, obwohl ihre Gewichstbelastung größer war.

Muskelentwicklung: Es wurde deutlich, dass sich die Muskulatur beim Pferd auch ohne Training wie Reiten oder Longieren bis zu einem gewissen Grad aufbaut, wenn dem Körper dafür genügend Energie zur Verfügung steht. Ist dieser Grad erreicht, bilden sich parallel zum weiteren Muskelaufbau die ersten von außen feststellbaren subkutanen Fettdepots. Erst an diesem Punkt steht dem Pferd genügend Energie für einen trainingsbedingten Mehraufbau der Muskulatur zur Verfügung.
Die Punktzahl 4 beschreibt eine Body Condition, bei der die Muskulatur bei minimalen subkutanen Fettdepots zum großen Teil aufgebaut ist. Weitere verfügbare Energie wird sowohl für weiteren Muskelaufbau als auch für subkutane Fettdepots verwendet, bis ein BCS von 5 erreicht ist. Ein Anstieg auf die Punktzahl 6 bringt noch eine weitere Steigerung der Bemuskelung mit sich, die Vermehrung des Fettgewebes überwiegt allerdings. An diesem Punkt ist die Muskulatur dem Pferdetyp und dem Training entsprechend voll aufgebaut, Steigerungen des BCS auf 7 oder mehr bringen keinen offensichtlichen Muskelaufbau mehr mit sich.



Fruchtbarkeit: Es zeigte sich, dass Stuten mit schlechterer Body Condition verminderte Konzeptionsraten hatten und mehr Zyklen für die Konzeption benötigten als dickere Stuten (HENNEKE, 1981).

Vorschlag für idealen BCS (Zusammenfassung): KEALY et al. (2002) schlugen für eine längere Lebensdauer für Hunde einen idealen BCS von unter 5 vor. GARLINGHOUSE & BURRILL (1996) und GARLINGHOUSE (1998) legten aber eine geringere Belastungsfähigkeit von Pferden mit Scores unter 5 dar. Da körperliche Belastungsfähigkeit bei Pferden ein sehr wichtiges Kriterium ist, sollten keine Scores unter 5 angestrebt werden.
Bei einem BCS von 5 ist die Muskulatur gut ausgeprägt, während sich die zusätzliche Gewichtsbelastung durch subkutane Fettreserven noch in Grenzen hält. Diese Body Condition ist ideal für Pferde, von denen hohe körperliche Leistungen verlangt werden, z.B. für Springpferde oder Vielseitigkeitspferde.
Dressurpferde brauchen sehr viel Kraft in Hinterhand und Rücken, müssen aber keine extremen Ausdauerleistungen vollbringen. Um maximalen Muskelansatz zu ermöglichen, wird für sie ein BCS von bis zu 6 vorgeschlagen.
Für Zuchtstuten wird wegen der im Schrifttum erwähnten Verbesserungen der Fruchtbarkeit ein BCS von 6 vorgeschlagen.
Body Condition Scores von 7 und mehr sollten im Hinblick auf die Gesundheit vermieden werden.